16. Januar 2019 – Die GRÜNEN-Stadträt*innen haben schon lange mehr geförderten Wohnraum mit Mietpreis-Bindung gefordert und mehrfach beantragt, weil sie sehen, dass sich der Mangel an Sozialwohnungen in Fürth weiter gravierend verschärfen wird. Nun liegen belastbare Zahlen vor und schaffen eine klare Gesprächsbasis.
Das Ergebnis ist besorgniserregend: In den letzten 10 Jahren sind 528 Wohnungen im Fürther Stadtgebiet aus der Mietpreis-Bindung herausgefallen. Weitere 810 Wohnungen werden voraussichtlich in den nächsten 10 Jahren entfallen. Bei einem Gesamtbestand von aktuell 2.201 Wohnungen ist das weit über ein Drittel. Wenn man berücksichtigt, dass schon heute 406 Anträge von Fürther*innen auf der Warteliste der Wohnungsfürsorge stehen und in den nächsten Jahren vor allem viele weitere Senior*innen dazu kommen werden, wird der eklatante Mangel noch offensichtlicher.
Bislang zeichnet sich keine Verbesserung ab: In den letzten 10 Jahren wurden insgesamt gerade einmal 206 neue Sozialwohnungen gebaut bzw. im Rahmen des Bayerischen Modernisierungsprogrammes erneuert oder ergänzt.
Die Zahlen stammen vom Fürther Referat IV (Soziales, Jugend und Kultur), das gemeinsam mit dem Statistischen Amt eine entsprechende Vorlage zum Bau- und Werkausschuss am 17.1.2019 erstellt hat – wieder einmal auf einen Antrag der GRÜNEN-Stadtratsfraktion hin. Die GRÜNEN-Stadträt*innen erklären: „Wir wollten eine konkrete Datengrundlage erreichen, statt weiterhin im Nebel zu stochern und mit vagen Argumenten von der Stadtspitze abgespeist zu werden.“
Der Handlungsbedarf ist unübersehbar. Es ist höchste Zeit, etwas gegen die wachsende Wohnungsnot finanziell schwächerer Bevölkerungsgruppen zu tun. „ Die bisherige Vorgehensweise der Stadtspitze, auf den Freien Markt zu verweisen und die Regulierung dem privaten Wohnungsmarkt zu überlassen, war ganz offensichtlich erfolglos“, so die GRÜNEN-Stadträt*innen weiter.
Die Stadt muss handeln und als Kommune bauplanungsrechtliche Vorgaben machen. Dringend. Denn das Problem wird sich noch verschärfen: Das Hannoveraner Forschungsinstitut „Pestel“ (Dienstleister für Kommunen, Unternehmen und Verbände) hat in seiner „Wohnprognose 2025“ vorgerechnet, dass der Anteil der Senioren, die ergänzende Grundsicherung zum Lebensunterhalt brauchen, von heute drei Prozent auf über 25 Prozent steigen wird. Kurz: Jede*r vierte Rentner*in ist von Altersarmut bedroht, vor allem Witwen und Frauen, die sich früher ohne eigenes Einkommen um Haushalt und Kinder gekümmert haben. Auch dieser Personenkreis ist auf geförderte Wohnungen angewiesen.
Manch einer mag befürchten, dass man durch den Bau von mehr Sozialwohnungen mehr Hartz-IV-Empfänger*innen aus dem Umland anzieht. Doch dieses vermeintliche Argument entpuppt sich bei näherem Hinsehen als haltlose Panikmache: Die Wohnungen, die in den kommenden Jahren aus der sozialen Bindung herausfallen, stehen ja momentan nicht leer. Darin wohnen Menschen. Rentner*innen, Familien, Alleinerziehende, Singles, Geflüchtete, EU-Bürger*innen, Deutsche, Junge, Alte, mit Job oder ohne. Wo sollen all diese Menschen wohnen, wenn ihre Wohnungen aus der Sozialbindung fallen und dann für sie nicht mehr erschwinglich sind? Alleine, um Wohnraum für diese Mieter*innen und die Fürther*innen auf der Warteliste zu schaffen, müssten ja schon über 1200 Wohnungen gebaut werden – und da ist noch keine einzige Person aus dem Umland zugezogen.
Der Verweis auf die Wohnungsbaugesellschaften, die günstigen Wohnraum schaffen, genügt ebenfalls nicht. Denn diese können sich aussuchen, an welche Mieter*innen sie die Wohnungen vermieten. Es entsteht also quasi eine 2-Klassen-Gesellschaft unter den Personen mit Berechtigungsschein: Solche, an die die Wohnungsbaugesellschaften gern vermieten und solche, die sie als Mieter*innen ablehnen. „Das Recht auf Wohnen ist allerdings ein international verbrieftes Menschenrecht. Und zwar auch für diejenigen, die durch das Raster der Wohnungsbaugesellschaften fallen“, betonen die GRÜNEN-Stadträt*innen.
- GRÜNEN-Stadträt*innen stellen Antrag zum Bauausschuss: Wie ist das Verhältnis zwischen neu entstandenen Sozialwohnungen in Fürth und Wohnungen, die in den nächsten Jahren aus der Sozialbindung herausfallen?
- Erschreckendes Ergebnis: Innerhalb der nächsten 10 Jahre wird sich der Bestand um über 800 Wohnungen verringern
- GRÜNEN-Fraktion will mit baurechtlichen Vorgaben den Bau von Wohnungen mit Sozialbindung forcieren, statt sich wie die Fürther Stadtspitze auf den freien Markt zu verlassen
Diese Pressemeldung als pdf-Datei: 2019_01_16_PM_GRÜNE drängen auf mehr Sozialwohnungen_final
Link zum entsprechenden Antrag: Status Quo des Sozialen Wohnungsbaus in Fürth





Neuste Artikel
energiepolitik Klima KOmmunalpolitik Kommunalwahl Soziales Stadtrat Stadtratswahl Wahl
Vereidigung von drei neuen GRÜNEN-Stadträtinnen in Fürth
8. Mai 2025 – Drei neue GRÜNEN-Stadträtinnen wurden in der konstituierenden Sitzung des Fürther Stadtrats am 6. Mai 2026 vereidigt. Johanna Barber, Katrin Grünbaum und Dr. Kristin Hecker ergänzen die erfahrene Stadträtin Sabine Weber-Thumulla und ihre Kollegen Felix Geismann, Kamran Salimi und Harald Riedel. In einer internen Sitzung hatte die neue Fraktion im Vorfeld Kamran…
KOmmunalpolitik Kommunikation Stadtrat Teilhabe Transparenz
Antrag: Erlass der Geschäftsordnung für den Fürther Stadtrat
6. Mai 2026 – In der Synopse zu den geplanten Änderungen der Geschäftsordnung für den Fürther Stadtrat ist zu erkennen, dass zwei größere (Teil-)Sätze hinzugefügt werden sollen. Gemäß Satz 1 ist bislang für Bild- und Tonaufzeichnungen aller Art die Genehmigung der oder des Vorsitzenden und des Stadtrats oder des betreffenden Ausschusses nötig. Die vorgeschlagene Ergänzung…
Feminismus Frauen Gleichstellung Klima Klimaanpassung Klimaschutz Stadtrat Stadtratswahl Stadtverwaltung Verwaltung
GRÜNEN-Fraktion Fürth schlägt Sabine Weber-Thumulla zur Wahl als Dritte Bürgermeisterin vor
30. April 2026 – In der konstituierenden Sitzung des Fürther Stadtrats am 6. Mai 2026 soll laut Tagesordnung wieder ein*e Dritte*r Bürgermeister*in gewählt werden. Die GRÜNEN-Fraktion Fürth hat sich entschieden, mit Sabine Weber-Thumulla eine eigene Kandidatin ins Rennen zu schicken und nicht dem zwischen CSU und SPD vereinbarten Wahlvorschlag zu folgen. Dafür gibt es zwei…
Ähnliche Artikel
energiepolitik | Klima | KOmmunalpolitik | Kommunalwahl | Soziales | Stadtrat | Stadtratswahl | Wahl
Vereidigung von drei neuen GRÜNEN-Stadträtinnen in Fürth
8. Mai 2025 – Drei neue GRÜNEN-Stadträtinnen wurden in der konstituierenden Sitzung des Fürther Stadtrats am 6. Mai 2026 vereidigt. Johanna Barber, Katrin Grünbaum und Dr. Kristin Hecker ergänzen die erfahrene Stadträtin Sabine Weber-Thumulla und ihre Kollegen Felix Geismann, Kamran Salimi und Harald Riedel. In einer internen Sitzung hatte die neue Fraktion im Vorfeld Kamran…
Einkaufen | Fußgängerzone | Innenstadt | Kultur | kulturelle Vielfalt | Musik | Soziales
Antrag: Mehr Qualität in der Fürther Straßenmusik
ERGEBNIS: Der Antrag fand viel Zuspruch, die aktuellen Regelungen sollen nun in der Referentenrunde überprüft werden. 16. April 2026 – Gerade im Sommer halten sich auch in Fürth die Leute gerne draußen auf der Straße und in einer attraktiven Innenstadt auf. Gute Straßenmusik verstärkt dieses sommerlich-leichte Lebensgefühl und steigert die Aufenthaltsqualität der Fürther Fußgängerzone, hat…
Kinder | Schule | Verkehr | Verkehrssicherheit | Wohnen
Antrag: Mehr Verkehrssicherheit in der Sacker Hauptstraße und der Blütenstraße
6. März 2026 – An der Sacker Hauptstraße und der Blütenstraße sowie in den anliegenden Wohngebieten gilt Tempo 30; für LKW ist die Durchfahrt verboten (Verkehrszeichen 253 mit dem Zusatz „Anlieger frei“). Dennoch wurde an die Fraktion Bündnis 90/ DIE GRÜNEN herangetragen, dass schnell fahrende Fahrzeuge, zunehmend auch LKWs, die Verkehrssicherheit in der Siedlung beeinträchtigen….