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Parkplätze in der Fürther Innenstadt: Fehlinterpretation einer Umfrage führt zu Missverständnissen

Im Zusammenhang mit dem aktuell diskutierten Integrierten Klimaschutzkonzept für die Stadt Fürth entstanden Gerüchte in den sozialen Medien, die den Einfluss des Parkplatzangebots auf den Fürther Einzelhandel betreffen. „In die öffentliche Diskussion haben sich vermeintliche Fakten eingeschlichen, die sich bei näherem Hinsehen als falsch erweisen“, erklären die Fürther GRÜNEN-Stadträt*innen. So kursiert beispielsweise die Behauptung, es würden 78 Prozent der Einzelhandels-Kund*innen mit dem Auto in die Fürther Innenstadt fahren. Eine Aussage, die so nicht stimmt, sondern verkürzt und aus dem Zusammenhang gerissen ist.

Die Zahl ist nicht erfunden – sie stammt aus einer Befragung, die jedoch nicht etwa in der Fürther Innenstadt stattfand, sondern ausschließlich an stark frequentierten Orten im Fürther Umland (Zirndorf, Langenzenn, Veitsbronn, Cadolzburg, Neustadt/Aisch). Die Menschen, die dort leben, kommen natürlich vergleichsweise selten mit dem Fahrrad zum Einkaufen in die Fürther Innenstadt. Und wer etwa auf einem Supermarkt-Parkplatz in Neustadt/Aisch befragt wird, hat in aller Regel keine ÖPNV-Anbindung, die mit Fürther Stadtteilen wie z.B. Burgfarrnbach, Vach oder Poppenreuth vergleichbar wäre.

Insgesamt wurden in diesen Orten an zwei Tagen 817 Personen befragt, die rein zufällig ausgewählt wurden. Die gewonnenen Ergebnisse sind also alles andere als repräsentativ. Diese Momentaufnahme aus dem Umland kann man nicht auf die Gesamtheit aller Fürther*innen übertragen, der Titel der Studie lautet ja auch „Kundenherkunftsanalyse – Kundenbeziehung zur Fürther Innenstadt von ausgewählten Landkreisgemeinden“.

Zudem wurde die Umfrage mitten in der Corona-Pandemie durchgeführt, als viele Menschen aus Angst vor Ansteckung die öffentlichen Verkehrsmittel mieden. Die Validität der Ergebnisse ist also auch in diesem Punkt eingeschränkt.

„Aus dieser Befragung zu schlussfolgern, dass eine Reduktion von Parkflächen der Innenstadt die Kundschaft nähme und ein Gewerbesterben einsetzen würde, ist sehr abenteuerlich“, fassen die GRÜNEN-Stadträt*innen zusammen. „Hinzu kommt: Viele Kund*innen in der Fürther Innenstadt kommen aus Fürth selbst oder aus Nürnberg und Erlangen – und wurden hier überhaupt nicht berücksichtigt.“

Dabei gibt es tatsächlich eine aussagekräftige Untersuchung zu den Fortbewegungsarten der Kund*innen in der Fürther Innenstadt, die im Auftrag der IHK Nürnberg für Mittelfranken erstellt wurde. Die Zahlen sind jedoch schon 8 Jahre alt. Damals (2013) gaben 34 Prozent an, mit dem ÖPNV (U-Bahn, Bus, S-Bahn) zum Einkaufen in die Fürther Innenstadt zu fahren, 7 Prozent mit dem Fahrrad, 36 Prozent waren zu Fuß unterwegs und nur 23 Prozent sind mit dem Auto oder Motorrad gekommen.

Die einfache Gleichung „Wer einkauft, braucht immer auch einen Parkplatz“ galt also schon 2013 nicht mehr. Es ist davon auszugehen, dass sich seitdem der Anteil an motorisiertem Individualverkehr eher noch weiter verringert hat und der Anteil an Fahrrad/Lastenrad/E-Rollern und ÖPNV gestiegen ist. Doch wenn man das zweifelsfrei herausfinden möchte, wird man um eine erneute Datenerhebung nicht herumkommen.

„Wann auch immer valide Ergebnisse aus einer repräsentativen Befragung vorliegen werden: Die Schlüsse, die aus der erwähnten jüngsten Befragung im Fürther Umland von manchen Personen gezogen wurden, sind definitiv nicht zulässig und verzerren die Realität extrem“, sind sich die GRÜNEN-Stadträt*innen sicher.

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