4. Juli 2025 – Den Twist muss man erst einmal hinkriegen: Die GRÜNEN-Stadträt*innen stellen den Antrag, gegenüber dem Besitzer eines Baudenkmals alle Register zu ziehen, damit dieser das Haus mitten in Fürths guter Stube rund um die Hornschuchpromenade nicht weiter verlottern lässt… und am Ende kann Oberbürgermeister Dr. Thomas Jung nicht widerstehen, die populistischen Ausreden des Eigentümers aufzugreifen und zu behaupten, dass kein anderer als Robert Habeck an diesem Umstand schuld sein soll.
Das Jugendstilgebäude in der Pickertstraße 1 mit dem charakteristischen runden Erkerturm an der Ecke zur Gebhardtstraße steht seit vielen Jahren leer. „Mit unserem Antrag zum Bau- und Werkausschuss am 4. Juni 2025 wollten wir erreichen, dass die Stadt endlich alle Möglichkeiten prüft, um gegen die Untätigkeit des Besitzers vorzugehen. Nicht nur, dass das Gebäude langsam verfällt und viele Dutzend Tauben darin nisten – mitten in der Innenstadt steht dadurch wertvoller Wohnraum leer“, so die GRÜNEN-Fraktion. Denkmalrecht, Infektions- und Hygienerecht, aber auch die Zweckentfremdungssatzung wären Instrumente, mit denen ein städtisches Eingreifen zu rechtfertigen wäre. Welches Mittel im vorliegenden Fall am besten geeignet ist, um die Missstände so bald wie möglich zu beheben, sollte die Verwaltung also klären.
Da die von den GRÜNEN mehrfach angemahnte Stelle zur Kontrolle der Zweckentfremdungssatzung immer noch nicht besetzt ist, inspizierte der OB sogar höchstpersönlich die Lokalität und unterrichtete darüber auch die örtliche Presse. Dass er dabei zu erwähnen vergaß, dass die Opposition die ganze Sache ins Rollen gebracht hatte – geschenkt. Oppositionsparteien haben in dieser Heldengeschichte nun einmal nichts verloren. Stattdessen berichtete das Stadtoberhaupt von einer persönlichen Kontaktaufnahme mit dem Eigentümer. Schuld am Leerstand und dem Verschleppen der Sanierung über viele Jahre sei die defekte Heizungsanlage, behauptete dieser. Er wolle „wegen des Heizungsgesetzes der Ampelregierung“ abwarten, bis die Stadt Fürth ihre kommunale Wärmeplanung vorlegt, bevor er tätig werde.
Dass am jahrelangen Leerstand ein Gesetzentwurf aus dem Jahr 2023 schuld sein soll, ist schon bizarr genug. Doch OB Dr. Thomas Jung setzte noch einen drauf und „schimpfte“ laut Presseberichterstattung, dass diese Argumentation „eine Folge des unseligen Gesetzes von Robert Habeck“ sei.
„Schlimm genug, dass der Besitzer des Gebäudes versucht, sich so herauszureden. Aber einen solchen Unsinn kann man doch nicht allen Ernstes auch noch weiterverbreiten!“, finden die Fürther GRÜNEN-Stadträt*innen. „Erstens bleibt in der Geschichte vollkommen unerwähnt, dass die SPD die Ampelregierung angeführt hat, und zweitens war zu dem Zeitpunkt, als der Leerstand begann, das vermeintlich schuldige Heizungsgesetz noch nicht einmal geschrieben und Robert Habeck noch Umweltminister und stellvertretender Ministerpräsident in Schleswig-Holstein.
Letztendlich zeigt sich die GRÜNEN-Fraktion aber versöhnlich: „Die Tatsache, dass sich der OB in dieser Sache nun persönlich engagiert, ist ja grundsätzlich erfreulich. Auch wenn wir sehr irritierend finden, dass er sich die Märchen des Eigentümers zu eigen macht, die sich bei näherem Betrachten als reine Schutzbehauptungen entpuppen. Wir wollen mal nicht davon ausgehen, dass das der Auftakt zu einem Wahlkampf im Trump’schen Populismus-Stil mit alternativen Fakten ist… Vielleicht ist dieser Denkfehler einfach nur der Hitze in den letzten Tagen zuzuschreiben.“
Bleibt zu hoffen, dass die Stadt tatsächlich von ihren Möglichkeiten Gebrauch macht, auf eine Sanierung zu drängen oder das Gebäude (über die WBG) selbst zu kaufen – eine Idee, die ebenfalls die GRÜNEN in die Diskussion einbrachten. Wenn man hier weiterhin der Tatenlosigkeit des Eigentümers zusieht, konterkariert man die Bemühungen im Kampf gegen Wohnraum-Knappheit und die Taubenplage und gefährdet die Aufwertung der Gebhardtstraße und die touristische Qualität des Prachtboulevards Hornschuchstraße/Königswarter Straße.
- Stadtverwaltung Fürth prüft auf GRÜNEN-Antrag hin, wie man den Verfall des Gebäudes Pickertstraße 1 aufhalten kann.
- Eigentümer und OB Dr. Thomas Jung machen Heizungsgesetz der Ampelregierung für den jahrelangen Sanierungsstopp verantwortlich.
- GRÜNEN-Fraktion möchte keinen populistischen Wahlkampf.
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