Emanzipation

Mehr Frauennamen im öffentlichen Raum

Der Aspekt der Geschlechterparität ist ein urgrünes Thema und auch die Fürther Stadtratsfraktion setzte sich in der Vergangenheit an mehreren Stellen dafür ein. Die Statistiken, die beispielsweise zum Weltfrauentag veröffentlicht werden, zeigen allerdings, dass die Gleichberechtigung von Mann und Frau noch lange nicht in allen Köpfen angekommen ist. „Daher sind Vorbilder umso wichtiger. Damit diese möglichst viele zum Nachdenken anregen, müssen diese „Role Models“ auch im öffentlichen Raum sichtbar sein“, findet GRÜNEN-Stadträtin Anna Botzenhardt.

Davon ist Fürth noch weit entfernt. Aktuell sind laut Stadtplanungsamt 241 Straßen nach Männern benannt und lediglich 23 nach Frauen. Bedauerlicherweise hat sich daran auch in jüngerer Zeit nicht viel geändert. Seit 2010 wurden in 22 Fällen erneut Straßen nach Prominenten benannt: 19 davon waren männlich, drei weiblich.

Anlass genug für die GRÜNEN-Fraktion, einen Antrag zum Ältestenrat zu stellen, um das Vorgehen bei der Neubenennung von Straßen künftig entsprechend zu gestalten. Pro männlichem Namensgeber sollten künftig mindestens drei Straßen nach weiblichen Namensgeberinnen benannt werden, um dieses Ungleichgewicht zumindest langfristig zu verringern.

„An geeigneten Frauenpersönlichkeiten mit Bezug zu Fürth mangelt es nicht“, weiß Anna Botzenhardt. „Umso erstaunlicher war es für uns, dass der Antrag im Ältestenrat abgelehnt wurde – obwohl die Mehrheit der Sitzungsteilnehmer*innen Frauen waren!“

Auch wenn der Antrag diesmal gescheitert ist – das öffentliche Interesse war groß. Mitte April kam das FrankenFernsehen für Dreharbeiten im GRÜNEN-Büro vorbei und befragte die beiden Fraktionsvorsitzenden Kamran Salimi und Gabriele Zapf zum Thema Geschlechtergerechtigkeit bei der Straßenbenennung.

„Wir bleiben an dem Thema dran und versuchen weiterhin, Frauen im öffentlichen Raum präsenter zu machen, beispielsweise auch durch Ehrungen oder bei der Benennung von öffentlichen Einrichtungen“, berichtet Anna Botzenhardt.

So wird in Fürth in absehbarer Zeit ein viertes Gymnasium entstehen, das noch einen Namen braucht. „Emilie-Lehmus-Gymnasium“ schlugen die GRÜNEN-Stadträt*innen in einem Antrag Anfang März vor. Nach der Mitte des 19. Jahrhunderts in Fürth geborenen und begrabenen Lehrerin und Ärztin.

„Bei der Auswahl des Namens für eine neue Schule ist eine besondere Sorgfalt an den Tag zu legen“, findet Anna Botzenhardt. „Schließlich muss der Name die Schule nicht nur benennen und von anderen Schulen unterscheidbar machen, sondern soll auch eine Identifikationsmöglichkeit für Schüler*innen bieten.“

Dr. med. Emilie Lehmus ist bestens geeignet, ein solches Vorbild zu sein, hat sie doch mit ihrem beeindruckenden Lebenslauf bewiesen, wie wichtig eine gute Bildung für junge Menschen und ihren Werdegang ist. Die 1841 in Fürth geborene Pfarrerstochter war Deutschlands erste niedergelassene Ärztin und eine der ersten Ärztinnen in Deutschland überhaupt. Mit der Wahl ihres Berufs und ihren internationalen Studien war sie ihrer Zeit weit voraus und ist als Vorbildfigur bestens geeignet – vor allem (aber nicht ausschließlich) für Mädchen, die ein Gymnasium besuchen. „Ein „Emilie-Lehmus-Gymnasium“ würde diese außergewöhnliche Frau posthum ehren und würde gleichzeitig bei der Benennung der Gymnasien in Fürth für Geschlechterparität sorgen“, meint Anna Botzenhardt. Schließlich gibt es bislang nur das Helene-Lange-Gymnasium und zwei nach Männern benannte Gymnasien. Der Antrag wurde zwar nicht gleich angenommen, aber es gibt nun immerhin eine Liste, auf der mögliche Namensgeber*innen gesammelt werden, bis die Entscheidung ansteht.

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