Billinganlage
Volljuristin / Bundesbeamtin, geb. 1988, verheiratet, 2 Kinder
Mobilität, die ALLE Menschen mitnimmt, braucht auch eine Vielfalt der Perspektiven
Steckbrief:
Interessen:
Verkehr und Mobilität, Frauenpolitik und Gleichstellungspolitik, Schulwegsicherheit, Nachhaltigkeit, Teilhabe
Stadtteile:
Billinganlage, Eigenes Heim/Schwand, Hardhöhe und Innenstadt
Engagement:
- ADFC (Sprecherin Frauennetzwerk des ADFC LV Bayern)
- Zukunftsräume e.V.
- Unabhängige Frauen Fürth e.V.
- Schulstraßen-Jetzt
- Kidical Mass
Hobbys:
Radfahren, Kampfsport (Taekwondo), Reenactment, LARP und Pen&Paper Rollenspiel
Meine Schwerpunkte:
Verkehr und Mobilität
Fürth braucht die Mobilitätswende und endlich eine gerechte Aufteilung des Verkehrs. Wir haben die besten Voraussetzungen für die Mobilität der Zukunft, d.h. für einen guten ÖPNV, Rad- und Fußverkehr. Dort müssen wir auch endlich der Schwerpunkt in der Gestaltung unseres Straßenraumes setzen. Das heißt auch, dass der MIV auf viele seiner umfangreichen Privilegien verzichten muss, damit ALLE davon profitieren können.
Frauenpolitik, Gleichstellungspolitik, Teilhabe
Ich setze mich dafür ein, dass in der kommunalen Verwaltung und auch in unserer alltäglichen Umgebung Strukturen geschaffen werden, die für ALLE funktionieren und Vielfalt fördern.
Unser Alltag ist nach wie vor stark von strukturellen Diskriminierungen geprägt. Lange Zeit wurde unsere Umgebung für den „Durchschnittsmann“ gestaltet. Andere Gruppen wurden dabei einfach „übersehen“ – das betrifft neben Frauen auch Familien, Kinder, ältere Menschen, Menschen mit Behinderungen, Personen ausländischer Herkunft, POC, LGBTQAI+-Personen und viele mehr. Oft braucht es nur kleine Dinge – ein kleines Mitdenken – um diesen Gruppen den Alltag erheblich einfacher zu machen. Ich möchte genau diese Aspekte in die Stadtratsarbeit einbringen, damit die Bedürfnisse dieser Gruppen sichtbar und berücksichtigt werden.
Schulwegsicherheit
Die selbstständige Bewältigung des Schulwegs ist nicht nur ein wichtiger Schritt für Kinder, sondern befreit auch die Eltern von zeitaufwändigen Bringdiensten. Damit entfällt zugunsten der Allgemeinheit ein nicht unerhebliches Verkehrsaufkommen. Voraussetzung dafür ist jedoch eine Umgebung in der die Kinder diese Strecke auch selbstständig und sicher bestreiten können. Dafür brauchen wir angepasste Geschwindigkeiten, sichere Straßenquerungen und vor allem vor der Schule selbst einen Schutzraum in Form von Schulstraßen.
Nachhaltigkeit
Damit wir unsere Lebensqualität erhalten und verbessern können, muss Fürth zu einer klimaresilienten Stadt werden. Dafür brauchen wir mehr Grün; also mehr Bäume in den Straßen, mehr Fassadenbegrünung und mehr Entsiegelung. Mit klimaanpassenden Maßnahmen, z.B. der Schwammstadt und der Nutzung nachhaltiger Energie, wappnen wir uns für die Herausforderungen des Klimawandels und schaffen gleichzeitig wertvolle Begegnungsräume. Die „15-Minuten Stadt“ fördert neben der Lebensqualität auch die lokale Wirtschaft. Ein starker und zuverlässiger ÖPNV, der ohne fossile Energieträger funktioniert, ist unabhängig von weltwirtschaftlichen Entwicklungen. Wer soziale, ökologische und ökonomische Nachhaltigkeit zusammendenkt gewinnt am Ende in allem.
Nachgefragt bei … Johanna Barber
Was magst du an Fürth?
Fürth lebt genau in diesem großartigen Punkt der Ausgewogenheit: Eine Großstadt, aber familiär genug, dass man sich im Alltag in der Stadt über den Weg läuft. Weltoffen, aber mit dem ihm typischen etwas hemdsärmeligen Pragmatismus. Eine wunderschöne historische Altstadt in die sich jüngere Erscheinungen einfügen, die vielleicht nicht immer architektonisch jedermanns Sache sein mögen, aber von einem Mut zeugen, Neues auszuprobieren und voran zu gehen. Wir haben hier eine unglaubliche Vielfalt an Menschen und Interessen: Das ist wahrscheinlich auch der Grund, weswegen es hier nie langweilig wird. Gleichzeitig haben wir diese wundervollen Feuchtgebiete und grünen Lungen in der Stadt in denen man eine Ruhe findet, die selbst in ländlichen Gegenden selten geworden ist. Dieses Spannungsfeld fasziniert mich an Fürth, seit ich das erste Mal in die Stadt kam. Man kann einfach nicht anders als unsere Stadt dafür zu lieben.
Warum engagierst du dich politisch?
Mich treibt das Thema Gerechtigkeit an. Wir leben in einer strukturell sehr ungleich organisierten Gesellschaft. Relativ kleine, aber im Übermaß privilegierte Gruppen leben gerade auf Kosten der Lebensqualität sehr vieler andere Menschen. Angesichts des Klimawandels wird sich das voraussichtlich weiter verschärfen, wenn wir nichts dagegen unternehmen. Ich könnte mich über jede einzelne Ungerechtigkeit aufregen – insbesondere da es oft so einfach wäre, das Leben gerechter zu gestalten und damit so vielen Menschen leichter zu machen – oder ich kann meine Energie darin investieren, dass es tatsächlich besser wird. Ich habe mich für Letzteres entschieden.
Was motiviert dich, bei den GRÜNEN aktiv zu sein?
Bei den Grünen sind Nachhaltigkeit und Umweltschutz das Herzstück der Partei. Das ist mir wichtig. Wir nehmen die Zukunft in den Blick, arbeiten konstruktiv und argumentieren faktenbasiert. Eine konsequent gelebte Gleichstellung und Sensibilität bzgl. struktureller Diskriminierungen hilft uns dabei, alle Menschen und Aspekte im Blick zu behalten. Damit kommen wir zu Lösungen die für ALLE besser funktionieren.
Welches Thema liegt dir besonders am Herzen?
Die Mobilitätswende. Es ist schließlich kein Zufall, dass Verkehr ein Dauerbrenner bei jeder Bürgerversammlung ist. Das ist Politik die ausnahmslos jeden von uns jeden Tag direkt berührt, dafür müssen wir nicht mal das Haus verlassen. Unsere Erlebnisse hier prägen unser Wohlbefinden und beeinflussen maßgeblich unser Denken. Aktuell akzeptieren wir hier große Ungleichheiten – große Gruppen werden in ihrer Mobilität massiv eingeschränkt, weil andere nicht auf ein Mindestmaß an vermeintlicher Bequemlichkeit verzichten wollen und Platz in Anspruch nehmen, den sie eigentlich gar nicht bräuchten. Wer so sehr Privilegien gewohnt ist sieht die Bedürfnisse dieser anderen Gruppen auch an anderen Stellen im Alltag nicht und verwechselt strukturelle Behinderungen und Diskriminierungen mit nicht gleichwertiger Leistungsfähigkeit – selbst wenn diese Leute oft im Alltag erheblich mehr leisten. Ich bin davon überzeugt, dass wir auch in vielen anderen Lebensbereichen enorm profitieren könnten, wenn wir eine Gleichberechtigung im Verkehr herstellen.
Weiterhin ist der Verkehr einer der größten Faktoren in der Klimakrise – und der einzige Sektor in dem die Belastung aktuell sogar höher wird, obwohl in ihm eine Menge relativ einfach zu realisierendes Einsparpotenzial z.B. bzgl. Schadstoffausstoß besteht.
Was möchtest du konkret voranbringen?
Fürth braucht endlich ein durchgängiges Radwegenetz. Insbesondere an den Hauptverbindungsrouten klaffen darin immer noch große Lücken, besonders bei der Ost-West-Querung der Innenstadt oder den berühmten Nadelöhren bei den Unterführungen der Bahnstrecke bzw. der Bahnbrücke bei der S-Bahn-Station Klinikum. Wer diese Stellen täglich passiert hat oft nur die Wahl zwischen extrem gefährlichen Situationen auf der Straße, massiven Umwegen oder der illegalen Nutzung des Gehweges. Dieser Zustand ist schlicht nicht hinnehmbar zumal an allen diesen Stellen an sich genug Platz wäre um allen Verkehrsarten einen sicheren Raum zuzuweisen. Es braucht hier endlich gangbare Konzepte bzw. wo es solche schon gibt deren konsequente Umsetzung.
Wie siehst Du Fürth in 10 Jahren?
Ich sehe ein Fürth, in dem die Weichen zur Anpassung an den Klimawandel rechtzeitig gestellt wurden. Wir konnten unsere Lebensqualität erhalten. Unsere Umgebung ist grün, weil wir rechtzeitig Bäume in allen Straßen gepflanzt, entsiegelt und Schwammstadtkonzepte umgesetzt haben. Die Stadt gehört wieder den Menschen. Sie ist belebt. Die Leute sind hauptsächlich zu Fuß oder mit dem Rad unterwegs. Ihre täglichen Wege dafür sind so sicher, völlig barrierefrei und intuitiv gestaltet. Sie genießen den Vorrang bei Ampelschaltungen und Winterdienst. Dadurch können Kinder ihre Schul- und anderen Alltagswege völlig selbstständig zurücklegen, was Familien erheblich in ihrer Zeitplanung entlastet. Auf weitere Strecken nutzen die meisten Fürther den sicheren, zuverlässigen und dicht getakteten ÖPNV. Komplette Barrierefreiheit ist hier eine Selbstverständlichkeit, dadurch können auch ältere Leute bis ins hohe Alter ebenso wie Menschen mit Behinderungen ohne Unterstützung von Angehörigen mobil sein. Kaum jemand nutzt noch das Auto – selbst das Handwerk und der Dienstleistungssektor haben entdeckt, dass sie mit dem Lastenrad viel bequemer zu ihren Kunden kommen, vor allem in der Innenstadt. Das Geld was wir dadurch im Verkehrssektor gespart haben, hat nicht nur den ÖPNV günstiger gemacht. Darüber hinaus konnten wir nicht unerheblich in unsere Betreuungs- und Bildungseinrichtungen investieren. Das Zentrum gegen häusliche Gewalt ist nun – angemessen zu der von ihm erfüllten öffentlichen Aufgabe – vollständig kommunal finanziert. Das hat uns erlaubt endlich die von der Istanbuler Konvention geforderte Anzahl an Plätzen darin zur Verfügung zu stellen. Dank der guten Aufklärung und Prävention die dort geleistet wurde ist häusliche Gewalt in den Fürther Haushalten zum Glück erheblich zurückgegangen.
Fürth trotzt dem Klimawandel als die lebenswerte, vielfältige, sichere und kleeblattgrüne Stadt, die wir lieben.
Was ist dein Lieblingsort in Fürth?
Die Rednitz – vor allem im Sommer, wenn man sich zwischen Badhaus und interkulturellen Gärten den Fluss heruntertreiben lassen kann. Absolute Glückseeligkeit 🙂




