Immer wieder versuchen manche in letzter Zeit, das Gerücht in die Welt zu setzen: „Die Grünen sind doch überall nur dagegen, vernünftige Konzepte haben sie nicht!“ Besonders in der Energiepolitik hört man solche Parolen immernoch häufig. Glücklicherweise zeigen viele Grüne in ganz Deutschland und darüber hinaus, dass es anders ist: Gerade weil wir die besseren, funktionsfähigen Alternativen haben, sehen wir es als unsere Pflicht an, für diese in der Diskussion und auf der Straße auch zu streiten. Gute grüne Politik braucht also beides: Den Protest und die Konzepte. Wie das hier in Fürth konkret aussieht, lässt sich an unseren Aktivitäten der vergangenen Woche gut zeigen.
Der Protest
Wir Grüne beteiligen uns seit Wochen an den Mahnwachen auf dem Fürther Bahnhofsplatz. Jeden Montag (am Ostermontag wird pausiert) lädt dort ein breites Bündnis ein, gemeinsam der Opfer nuklearer Unfälle zu gedenken und zum raschen Ausstieg aus der Risikotechnologie zu mahnen. „Unsere Trauer und Angst um die Ereignisse in Japan mischen sich mit Wut und Entschlossenheit, politischen Druck zu erzeugen“, heißt es auf der Website des Fürther Bündnis Atomausstieg Jetzt, das wir von Anfang an unterstützt und mit aufgebaut haben. Unser Ziel ist klar: Den Druck von der Straße so lange aufrecht erhalten, bis ein verbindliches und frühzeitiges Ausstiegsgesetz vorliegt.
Schon vor der Reaktorkatastrophe in Fukushima traf sich ein weiteres Bündnis zum Jahrestag der Katastrophe von Tschernobyl. An diesem Tag, dem 26.4. waren neben zahlreichen anderen Vereinen und Verbänden auch wir mit einem Infostand und einer kreativen Aktion in der Fußgängerzone vertreten: PassantInnen durften versuchen, Atommüll eigenhändig per Angel und zu „entsorgen“…
Um für all diese Einsätze gerüstet zu sein, aber auch einfach wegen der hohen Nachfrage haben wir in großer Bandbreite Material angeschafft: Fahnen, Buttons, Aufkleber, aber vor allem auch Broschüren über die Kosten und Gefahren der Atomkraft, Arbeitsplätze durch die Energiewende und viele andere Themen. Schaut euch das Material an, es lohnt sich!
Die Konzepte
Wer sich gegen Atomkraft ausspricht, muss auch vernünftige Alternativen kennen. Neben dem Einsatz auf der Straße arbeiten wir deswegen seit jeher an unseren Konzepten – in den letzten Wochen noch akribischer als ohnehin schon.
Klar ist seit jeher, dass die Energiewende in den Kommunen beginnen muss. Doch genau dort ergeben sich häufig Probleme und berechtigte Einwände. Und so bedeutete die Besichtigung der neuen Infra-Biogasanlage bei Langenzenn ein tiefes Eintauchen in die Materie. Wir haben uns eine sehr differenzierte Meinung bilden können und umfassend alle Aspekte der Technologie diskutiert. Das Ergebnis: Biogas-Anlagen bieten viele Chancen, wenn sie richtig konzipiert sind. Positiv ist bei dieser Anlage sicher, dass das erzeugte Gas durch das bestehende Gasnetz transportiert wird und somit eine Kraft-Wärme-Kopplung stattfinden kann. Trotzdem muss mittelfristig eine Umstellung des Substrats erfolgen, da immer mehr Mais-Anbau die Kulturlandschaft beeinträchtigt.
Als Experte für die Energiewende besuchte uns außerdem Karl-Martin Hentschel aus Kiel, der in der Buchhandlung Jungkunz sein Buch vorstellte. In einem fast zweistündigen Gespräch mit Philipp Steffen erklärte er überzeugend, wie in Deutschland und Europa der Umstieg auf Ökostrom gelingen kann – auch mit einem schnelleren Atomausstieg bis 2017. In der Übergangszeit werden erneuerbare Stromquellen von flexiblen und hocheffizienten Gaskraftwerken ergänzt. Diese stoßen weniger CO2 aus als Kohlekraftwerke und können kurzfristig einspringen, wenn z.B. gerade weniger Wind weht. Außerdem kann dem importierten Erdgas mittelfristig auch mehr Biogas beigemischt werden, wenn dieses nachhaltig genug erzeugt wird.
Auf unserer letzten Mitgliederversammlung am 14. April schließlich holten wir uns Rat von zwei weiteren Energie-Experten: Stefan Groll (Maschinen- und Heizungsbaumeister) und Werner Griesinger (Ingeneur) berieten uns über technisch mögliche Klimaschutzmaßnahmen vor Ort. Innerhalb der „drei E“ – Einsparungen, Effizienz und Erneuerbare Energien – werde noch zu wenig Wert auf die Einsparungen und die Effizienz gelegt, machten die Referenten eindrücklich klar. Dort läge aber das größte Potential, während Erneuerbare Energien von der Politik mittlerweile immer besser gefördert würden. So sei eine vernünftige Wärmedämmung zum Beispiel besser für den Klimaschutz als jede Wärmepumpe, die am Ende auch elektrisch angetrieben werde.
Unsere konstruktiven Anträge im Stadtrat zum Klimaschutz wurden leider allzu oft abgeschmettert. Das soll uns aber nicht davon abhalten, dran zu bleiben und Klimapolitik in Fürth weiter voran zu treiben. Wir stehen für wirklichen Klimaschutz statt Symbolpolitik – weil wir uns lieber um kluge Konzepte kümmern als jeden Monat lächelnd und fotogen neben einer Solarzelle zu posieren…





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