19. September 2020 – Früher spielten Kinder vor allem draußen. Im heutigen Wohnumfeld einer dicht besiedelten Stadt, in der die Straßen vom Autoverkehr dominiert sind, ist das kaum mehr möglich. Fangen spielen, Inliner fahren, Ballspiele, Kreidebilder malen, Federball, Hüpfgummi und Springseil spielen – all das ist für Kinder mitten in der Stadt nur dann erlebbar, wenn man ihnen für eine gewisse Zeit den Raum zur Verfügung stellt, der sonst den Autos vorbehalten ist. Spielnachmittage im Freien kommen nicht nur dem Bewegungsdrang von Kindern zugute, sie haben auch positive Auswirkungen auf das soziale Zusammenleben der Generationen und stärken das Gemeinschaftsgefühl in der Nachbarschaft.
Als Ergänzung zu Spiel- und Bolzplätzen ermöglichen daher verschiedene Städte die Einrichtung von temporären Spielstraßen. In Bremen bekommen Kinder seit fast 10 Jahren regelmäßig Platz auf den Straßen für spielerische Bewegung, die für die Entwicklung von motorischen Fähigkeiten so wichtig ist. Auch in Berlin richten einige Bezirke regelmäßig temporäre Spielstraßen ein – vor allem dort, wo eine hohe Bevölkerungsdichte und viele Kinder auf wenige Spielplätze und kindergeeignete Grünanlagen treffen.
Das Deutsche Kinderhilfswerk fordert und unterstützt die Ausbau von konkreten Straßenspielprojekten, da es in Studien belegen konnte, dass sich die Möglichkeiten zum selbstbestimmten Spielen entscheidend auf die Lebensqualität und Entwicklungschancen von Kindern auswirken.
Anlässlich des Weltkindertags fand am 13. September 2020 in Fürth ein Probelauf statt. An diesem Samstagnachmittag wurde in der Schindelgasse für einige Stunden eine Spielstraße eingerichtet. Die Aktion stieß auf regen Zuspruch und war ein voller Erfolg.
Mit wenig Aufwand lassen sich solche Aktionen regelmäßig alternierend in verschiedenen Stadtvierteln durchführen, beispielsweise in den Nebenstraßen der Altstadt, Oststadt, Südstadt oder der westlichen Innenstadt. Es braucht lediglich eine verkehrsrechtliche Genehmigung und ein paar Freiwillige, die die Spielstraße betreuen: mit vorgegebenen Schildern vor Ort die Straße sperren, Autofahrer*innen die Sperrung erklären, im Notfall Rettungsfahrzeuge, Anlieferungen und mobil eingeschränkte Anwohner*innen passieren lassen und am Ende alles wieder aufräumen und eventuell angefallenen Müll entsorgen.
Dass die temporäre Einrichtung von Spielstraßen ohne Weiteres mit der Straßenverkehrsordnung vereinbar ist, zeigt das entsprechende Gutachten des Wissenschaftlichen Parlamentsdiensts für das Abgeordnetenhaus von Berlin. (Link zum Gutachten )
Um die Schwelle für die Beantragung möglichst niedrig zu halten, muss der Genehmigungsprozess für Eltern und andere private Initiativen so unkompliziert wie möglich gestaltet werden. Daher soll die Stadt ein Verfahren etablieren, der sicherstellt, dass Anträge auf temporäre Sperrung von Straßen für die Einrichtung von Spielstraßen zügig und unbürokratisch genehmigt werden. Sei es beispielsweise in Form eines standardisierten Antrags oder einer E-Government-Funktion.
Zur Sitzung des Ausschusses für Jugendhilfe und Jugendangelegenheiten am 7. Oktober 2020 stellen wir daher folgenden
A n t r a g :
Die Verwaltung entwickelt ein Standardverfahren zur Genehmigung von regelmäßigen temporären Spielstraßen im Fürther Stadtgebiet.
Ergebnis:
Der Ausschuss befürwortet die Zielsetzung, zusätzliche Spielräume im öffentlichen Straßenraum zu schaffen. Die Verwaltung soll nach entsprechenden Möglichkeiten zu suchen und auch Vorschläge auch für ein vereinfachtes Genehmigungsverfahren unterbreiten.
Dieser Antrag als pdf-Dokument:
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