„Wir sind total enttäuscht“, so fasst GRÜNEN-Stadtrat Philipp Steffen den Gemütszustand der Anwohner*innen in der Pfisterstraße zusammen. „Parkende Autos sind der Stadtspitze wichtiger als spielende Kinder. Nörgler-Mails wichtiger als engagierte Nachbar*innen. Schnelle Hauruckentscheidungen wichtiger als demokratische Prozesse.“
Am 5. Mai 2021 hatte der Bau- und Werkausschuss einstimmig beschlossen, dass 2021 mehrere Sommerstraßen als Pilotprojekte in Fürth umgesetzt und evaluiert werden sollen. Während der Sommerferien sollten die Straßenabschnitte im Finkenschlag, in der Neumannstraße und für die ersten beiden Ferienwochen auch in der Pfisterstraße so gestaltet werden, dass sie ein Miteinander unter freiem Himmel ermöglichen. Mit spielenden Kindern, Nachbarschaftstreffen und ohne parkende oder durchfahrende Autos. Doch am 28. Juli 2021, also kurz bevor es losgehen sollte, machte die Stadt einen Rückzieher, da es neben positiven auch negative Rückmeldungen aus der Bevölkerung gab.
Dies entspricht nicht der Beschlusslage. Der Stadtrat ist die demokratisch gewählte Vertretung der Bevölkerung. Seine Beschlüsse sind legitimiert und binden die Verwaltung. Sie lassen keinen Spielraum und erst recht keine Veröffentlichung von Abänderungen bestehender Beschlüsse zu, ohne den Stadtrat bzw. seine Gremien erneut einzubinden. Doch in diesem Fall hat sich die Stadt einfach kurzerhand über den Beschluss hinweggesetzt.
„Es ist ein fatales Signal, dass hier die gehört wurden, die die NICHTS getan haben, aber schon immer alles besser wussten. Die nur sehr laut sehr dagegen sind, selbst aber nichts Konstruktives beitragen. Damit stößt die Stadtspitze alle Engagierten vor den Kopf, während sie den lautesten Nörgler*innen den Rücken stärkt“, findet GRÜNEN-Stadtrat Philipp Steffen. Als betroffener Anwohner weiß er, dass schon viel Zeit und Energie in Planungen und konkrete Vorbereitungen gesteckt worden war, als die extrem kurzfristige Absage durch die Stadt per Pressemitteilung bekannt wurde.
„Kinder und Jugendliche hatten sich schon auf Kreidemalen, Wikingerkegel und Spielenachmittag gefreut. Erwachsene haben sich Aktionen überlegt, die Bierbänke organisiert und auch mit besorgten Nachbarn geredet und erklärt und für die Sommerstraße geworben. Darum war das hastige Einknicken der Stadt vor wütenden Mails vollkommen falsch“, so Philipp Steffen weiter. „Neues ruft IMMER erstmal Widerstand hervor. Dass es alles gar nicht so schlimm ist, merkt man erst, wenn die Veränderung da ist.“
Im Moment können ja alle Rückmeldungen nur theoretischen Überlegungen entspringen. Es kann niemand wissen, ob sich die geäußerten Befürchtungen überhaupt bewahrheiten würden. Vielleicht hätten die besorgten Bürger*innen gemerkt, dass in den Ferien ohnehin einige mit dem Auto verreist sind und daher die weggefallenen Parkplätze verkraftbar sind. Und sie hätten vielleicht auch gemerkt, dass es eine Bereicherung sein kann, Straßenraum für einige Wochen anders zu nutzen als Autos abzustellen. Doch diese Chance wurde vertan.
Um den Protest der organisierenden Anwohner*innen zu verdeutlichen und einen Vorgeschmack zu geben, wie die Sommerstraßen hätten aussehen können, hat Philipp Steffen am 30. Juli eine Demo angemeldet: „Es wurde ein Fest. Über 50 Teilnehmer*innen, darunter auch Anwohner*innen aus der Neumannstraße, haben in der Pfisterstraße ein kreatives und lebhaftes Zeichen für die Sommerstraßen gesetzt. Auch als Gegenmodell zu wütenden Online-Kommentaren.“





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