Innenstadt beleben – Einzelhandel stärken

Auf unserer gestrigen Mitgliederversammlung haben wir uns zu den Entwürfen zum Einkaufsschwerpunkt Rudolf-Breitscheid-Straße positioniert. Als einzige Partei haben wir eine basisdemokratische Debatte über dieses wichtige Thema geführt und eine gemeinsame Position erarbeitet.

Wir sprechen uns für den Vorschlag von MIB aus, den wir für rundum gelungen halten. Den Vorschlag von FONDARA lehnen wir ab, denn eine Verengung der Rudolf-Breitscheid-Straße, eine riesige Tiefgarage unter der Freiheit und ein überdimensioniertes, weitgehend geschlossenes Center sind mit uns nicht zu machen. Beim Vorschlag von TenBrinke/ATP sehen wir noch Nachbesserungsbedarf, v.a. in architektonischer Hinsicht.

Den Beschluss unserer Mitgliederversammlung stellen wir hier im PDF-Format und als „normalen“ Text zur Verfügung:

Innenstadt beleben – Einzelhandel stärken

MIB ist die erste Wahl für den neuen Einkaufsschwerpunkt

Am 7. Juli wurden die Vorschläge der drei verbliebenen Investoren für ein neues Einkaufszentrum in der Innenstadt vorgestellt. Nach monatelangen Gesprächen hinter verschlossenen Türen ist die Intransparenz damit nun wenigstens teilweise zu Ende. Allerdings vermissen wir eine öffentliche Präsentation seitens der Stadt. Die FürtherInnen haben ein hohes Interesse an der Entwicklung dieses Einkaufszentrums gezeigt und die Stadt überlässt die Information den „Fürther Nachrichten“ und der Bürgerinitiative. Einmal mehr wurde die Chance auf direkte Kommunikation mit der Bevölkerung vertan.

Unsere Innenstadt zeichnet sich aus durch ihre hohe Aufenthaltsqualität, ihr urbanes Lebensgefühl, historische Stadtstrukturen, eine Vielzahl erhaltener Baudenkmäler und nicht zuletzt die gute Erreichbarkeit der wichtigen Ziele – auch zu Fuß und mit den öffentlichen Verkehrsmitteln.

Die Fürther Innenstadt befindet sich in einem riesigen Umbauprozess. In die Runderneuerung des City-Centers sollen ca. 50 Mio. investiert werden, für den ehemaligen Marktkauf wird nach Nachmietern gesucht und auch die Fußgängerzone wird infolge dessen nicht von größeren Umwälzungen verschont bleiben. Wir Grüne meinen, die gesamte Innenstadt muss von vornherein in die Planungen einbezogen werden. Dabei ist zu beachten:

  • Beim Eingriff in das Herz unserer Stadt ist äußerst vorsichtig vorzugehen, denn es ist identitätsstiftend und touristisch wie kulturell wertvoll.
  • Wir brauchen ein Einkaufszentrum, das zwar aufgrund seiner Angebotsstruktur einen positiven Sog auf die Fürther KäuferInnen ausübt und sie aus Nürnberg und Erlangen zurückholt, aber den bestehenden Einzelhandel nicht erstickt.
  • Die Belastungen durch Baulärm, Verkehr, Dreck usw. sollten möglichst gering gehalten werden, auch um den vorhandenen Einzelhandel nicht zu gefährden.
  • Eine existentielle Verdrängungskonkurrenz zwischen dem neuen Einkaufszentrum und dem runderneuerten CityCenter, mit dem Ergebnis, dass einem der beiden die Pleite droht, muss unbedingt verhindert werden.

Aus diesen Gründen plädieren wir innerhalb der drei vorliegenden Entwürfe für die kleinstmögliche Lösung. Die drei nun vorliegenden Entwürfe sind von sehr unterschiedlichem Charakter:

Den Vorschlag von MIB und DunnettCraven halten wir für die vielversprechendste Lösung. Der Zugang zu den Geschäften erfolgt direkt von der Straße aus in Form eines Geschäftshauses. Die Investoren haben bereits Erfahrungen mit historischen Innenstädten. Das von ihnen vorgeschlagene Innenhof-Konzept bietet eine attraktive Möglichkeit, weitreichenden Denkmalschutz zu gewährleisten und gleichzeitig moderne Verkaufsflächen mit hoher Aufenthaltsqualität anzubieten. Das Verkehrskonzept setzt auf den öffentlichen Nahverkehr und eine effiziente Nutzung der existierenden Parkplätze. Eine Netto-Verkaufsfläche von ca. 12.000m² halten wir für ein verträgliches Maß. Das Center ist in die umgebende Einzelhandelsstruktur eingebunden und würde diese stärken, statt sie abzuwerten. Durch eine Vergrößerung der Fußgängerzone wird unsere Innenstadt lebendiger und vielfältiger. Dieses Konzept ist daher für uns die erste Wahl.

Auch beim Vorschlag von TenBrinke/ATP handelt es sich um eine offene Lösung (Geschäftshaus modell): Es sieht den Zugang zu den Geschäften über die existierenden Straßen vor, statt PassantInnen in eine innere Mall umzuleiten. Außerdem kommt es mit einer angemessenen Fläche aus und fügt sich einigermaßen in die bestehenden Baustrukturen ein. Wir begrüßen den angestrebten Erhalt des Festsaals. Wir sehen noch Bedarf für Nachbesserungen, insbesondere beim Umgang mit dem Denkmalschutz und der Architektur auf dem Grundstück Fiedler/Parkhotel.

Der Vorschlag von FONDARA sieht ein in sich geschlossenes Center mit innerer Mall und einer großen Tiefgarage unter der Fürther Freiheit vor. Für uns Grüne war immer klar: Ein solches überdimensioniertes „Ufo“ sprengt den Rahmen unserer Stadt und würde den bestehenden Einzelhandel endgültig zugrunde richten. Die Verdrängung des öffentlichen Raums durch die Verengung der Rudolf-Breitscheid-Straße um mindestens zwei Meter ist für uns nicht tragbar. Die Glasbrücke würde das historische Gesicht dieser Straße entstellen. Das vorgeschlagene Verkehrskonzept mit seinen annähernd 500 PKW-Stellplätzen ist aus dem letzten Jahrhundert. Die dafür nötigen Veränderungen im innerstädtischen Verkehrsnetz würden zu massiven Konflikten mit Bussen, RadfahrerInnen und FußgängerInnen führen. Die vorgeschlagenen 15.500m² Netto-Verkaufsfläche liegen über dem verträglichen Maß für unsere Stadt. Sie würden zu einer Verdrängung ansässiger EinzelhändlerInnen, z.B. in der Fußgängerzone und in einem runderneuerten CityCenter führen. Insgesamt ist dieses Konzept unvernünftig und wird unserer Stadt nicht gut tun. Deshalb werden wir ein solches Center nicht mittragen.

Für den anstehenden Architekturwettbewerb rufen wir dazu auf, nach Maß und Mitte zu urteilen: Fürth braucht stadtverträgliche Bauweise und kein architektonisches Alarmsignal. Die Gebäude sollten modern wirken, aber die kulturell und touristisch wertvollen Gründerzeit-Ensembles nicht stören.

Es liegt nun am Stadtrat, die Bewertung der drei Entwürfe anhand der festgelegten Zuschlagskriterien sorgsam vorzunehmen. Dabei rufen wir dazu auf, alle vorgegebenen Kriterien ernst zu nehmen. Einnahmen aus Gewerbe- und Körperschaftssteuer des Center-Betreibers werden ohnehin nicht in Fürth bleiben. Daher sollte nicht allein die Wirtschaftlichkeit des Centers entscheidend sein, sondern seine Auswirkungen auf die gesamte Innenstadt.

Ein überdimensioniertes, geschlossenes Center ist in Fürth nicht erwünscht! Die Menschen in unserer Stadt wollen ein offenes Konzept mit vielfältigem, hochwertigem und originellem Angebot in der gesamten Innenstadt, das auch den Denkmalschutz und den öffentlichen Raum ernst nimmt.

Die drei Entwürfe gibt es übrigens von der Medienpraxis auch als Video aufbereitet.

Twitter: @phsteffen

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