„Wie stehen die GRÜNEN zur Frage der Nachnutzung des Waldheims Sonnenland?“
„Die Frage, ob und welche Gebäude im Fürther Stadtwald stehen sollten, sollte sich unter normalen Umständen gar nicht stellen. Unsere verbliebenen Naturräume sollten unantastbar sein – erst recht, wenn es sich um Bannwald und Landschaftsschutzgebiete handelt“, so umreißt GRÜNEN-Stadtrat Felix Geismann die klare Haltung der Stadtratsfraktion.
Vor 112 Jahren entstand mitten im Fürther Stadtwald die sogenannte „Walderholungsstätte“ für erholungsbedürftige Menschen. Zuletzt wurden in dem Gebäudekomplex 28 Wohnplätze mit psychischen Erkrankungen von der AWO betreut.
„Man kann es nicht oft genug unterstreichen: Das Areal des Waldheims Sonnenland zeichnet sich durch eine hochsensible Lage im Stadtwald aus. In dieser naturräumlichen Situation wurde das besondere Privileg einer baulichen Nutzung ausschließlich erteilt, um die besondere Lage und den positiven Einfluss der Natur exklusiv für soziale Zwecke zu nutzen. Das muss der entscheidende Maßstab jeder Überlegung zum weiteren Umgang mit dem Anwesen sein“, erläutert Felix Geismann.
Doch nach dem Willen der WBG sollen hier Eigentumswohnungen entstehen – und das, obwohl es mit der Montessori-Schule einen Interessenten gibt, der dem hohen Anspruch an Allgemeinnützigkeit viel eher gerecht wird als die Schaffung von Eigentumswohnungen. Die Nähe zur Natur und das achtsame Erleben und Lernen sind Teile eines begrüßenswerten umweltpädagogischen Konzepts in den Plänen der waldpädagogischen Einrichtung.
Doch die Planungsunterlagen sind nicht auf dem gleichen Stand. Während die Montessori‐Initiative unter Zeitdruck auf die Schnelle eine Projektskizze erstellen musste, hatte die WBG zwei Jahre, um eine fertige Genehmigungsplanung zu erstellen. Die Ausführungen der Verwaltung, die im Bauausschuss vorgelegt wurden, beinhalten daher bezüglich des Montessori‐Projekts viele Vermutungen und durch Interpretation dieser ungesicherten Annahmen getroffene Rückschlüsse.
Dass die Montessori‐Schule schon 2018 ebenfalls an die Stadt herangetreten ist, wurde weder dem Stadtrat noch der breiten Öffentlichkeit mitgeteilt. Das Versäumnis der Stadtverwaltung, die Montessori‐Initiative als weiteren Interessenten vorzustellen, kann nun nicht darin gipfeln, dass man dieser unzureichende Planungsunterlagen vorwirft.
Das Grundstück des ehemaligen Waldheims Sonnenland ist im Flächennutzungsplan als Gemeinbedarfsfläche mit der Zweckbestimmung „Sozialen Zwecken dienende Gebäude und Einrichtungen“ ausgewiesen. Auf Beschwerde des Bund Naturschutz stellte die Regierung von Mittelfranken klar: Ohne Änderung des Flächennutzungsplans ist eine Wohnnutzung an dieser Stelle nicht rechtssicher möglich. Die Regierung von Mittelfranken rät daher explizit dazu, das Vorhaben einer privaten Wohnnutzung erst nach einer Änderung des Flächennutzungsplans zu verwirklichen. Denn erst nach dem Abschluss eines Änderungsverfahrens kann über die Genehmigungsfähigkeit entschieden werden. Dieses Änderungsverfahren beinhaltet auch eine Öffentlichkeitsbeteiligung mit Möglichkeiten des Einspruchs.
Felix Geismann, dem als Mitglied des WBG-Aufsichtsrats auch das Wohl der städtischen Wohnungsbaugesellschaft am Herzen liegt, erläutert die Konsequenzen: „Selbst bei einem Stadtratsvotum für die Pläne der WBG ist also noch lange nicht sicher, dass die Wohnungen tatsächlich realisiert werden können. Zum Schutz der WBG vor Fehlinvestitionen sollte also die Rechtssicherheit eines gültigen Flächennutzungsplans abgewartet werden. Sollte das erforderliche Verfahren in der Bauleitplanung scheitern, hätte man mit der Schule eine entscheidungsreif ausgearbeitete Nutzungsperspektive in der Hinterhand und stünde dann nicht vor dem Nichts.“
Und es gibt noch einen weiteren Aspekt, der bei der Entscheidung für eine der beiden Alternativen ins Blickfeld rücken muss: Der Bau von Eigentumswohnungen ist gleichbedeutend mit einer dauerhaften Privatisierung. Sind die Wohnungen erst einmal an private Eigentümer*innen veräußert, hat die WBG (und damit auch mittelbar die Stadt Fürth) keinerlei Einfluss mehr auf künftige Veränderungen. Auf diesem Weg gibt man die Hoheit über spätere Entwicklungen gestalterisch wie juristisch ein für alle Mal aus der Hand. Bei Verwirklichung des Montessori‐Projekts dagegen bliebe das Grundstück im Rahmen eines Erbpachtvertrags langfristig im Eigentum der Stadt Fürth.
Felix Geismann fasst zusammen: „Um es noch einmal ganz klar zu formulieren: Eigentlich wollen die GRÜNEN-Stadträt*innen selbstverständlich keine Bebauung im Wald. Doch wenn man überhaupt eine Nutzung des ehemaligen Waldheims Sonnenland ins Auge fasst, dann sicher nicht als luxuriöse Eigentumswohnungen, die nur Einzelinteressen von künftigen Wohnungseigentümer*innen bedienen, sondern so, dass es dem Allgemeinwohl dient.“
Der Bauausschuss hat Anfang Dezember dem Änderungsantrag der GRÜNEN-Fraktion zugestimmt, die Entscheidung über die Nachnutzung des Waldheims Sonnenland zu vertagen. So haben alle Stadträt*innen die Möglichkeit, sich weiter mit den Nutzungsoptionen zu beschäftigen und die gewonnene Zeit zu nutzen, um sich alle Aspekte anzusehen, die bislang zu kurz gekommen sind. So bekommt hoffentlich die an dieser Stelle ursprünglich vorgesehene soziale Nutzung eine echte Chance.
Neuste Artikel
Bildung Familie Familien Finanzen Finanzierung Gerechtigkeit Kinder Kinderbetreuung Kindergärten Kita Soziales
GRÜNEN-Fraktion Fürth will Chancengleichheit schon im Kindergarten
1. Oktober 2026 – Im Ausschuss für Jugendhilfe und Jugendangelegenheiten stand am 16.9.26 eine „Änderung der Kita-Gebührensatzung“ auf der Tagesordnung, im Stadtrat am 30.9.26 wurde die Änderung dann beschlossen – GEGEN die Stimmen der GRÜNEN-Fraktion. Wie eigentlich immer, wenn es um Geld geht, ist auch in diesem Fall eine „Änderung“ mit einer Erhöhung gleichzusetzen. Genauer:…
Ehrenamt Personalien Stadtrat Stadtratsfraktion
Danke für alles, Harald!
30.09.2026 – Du hast die Arbeit der Fraktion in den letzten Jahren und Jahrzehnten enorm geprägt und vielen grünen Ideen zum Erfolg verholfen. Du hast Dein Amt niedergelegt und bist aus familiären und gesundheitlichen Gründen aus dem Stadtrat ausgeschieden. Für die Fraktion ist es ein herber Verlust, denn wir verlieren unsere „HaRiepedia“ – Dein profundes…
Grüne Fürth feiern neues Büro in der Königstraße
House-Warming-Party bringt Mitglieder, Politik und viele Gäste zusammen Fürth, 26. September 2026 – Ein wundervoller Abend, viele gute Gespräche und jede Menge gute Stimmung: Die Fürther Grünen haben am Freitag, 25. September, ihr neues Büro in der Königstraße 51 mit einer House-Warming-Party offiziell eingeweiht. Zahlreiche Mitglieder, Unterstützer*innen und interessierte Bürger*innen nutzten die Gelegenheit, die neuen…
Ähnliche Artikel
Bildung | Familie | Familien | Finanzen | Finanzierung | Gerechtigkeit | Kinder | Kinderbetreuung | Kindergärten | Kita | Soziales
GRÜNEN-Fraktion Fürth will Chancengleichheit schon im Kindergarten
1. Oktober 2026 – Im Ausschuss für Jugendhilfe und Jugendangelegenheiten stand am 16.9.26 eine „Änderung der Kita-Gebührensatzung“ auf der Tagesordnung, im Stadtrat am 30.9.26 wurde die Änderung dann beschlossen – GEGEN die Stimmen der GRÜNEN-Fraktion. Wie eigentlich immer, wenn es um Geld geht, ist auch in diesem Fall eine „Änderung“ mit einer Erhöhung gleichzusetzen. Genauer:…
Bauen | baurechtlich | Familien | Kinder | Klimaschutz | Sozialer Wohnungsbau | Soziales | Sozialwohnungen | Umwelt
Stadt Fürth verpasst wichtige Chance bei Leitlinien zum „Bauturbo“
10. Juli 2026 – Im Fürther Stadtrat wurde diese Woche über Leitlinien zum sogenannten Bauturbo abgestimmt. Dieser soll durch vereinfachte Verfahren die schnellere Genehmigung von Bauvorhaben ermöglichen. Teilweise darf von üblichen Planungsverfahren abgewichen werden, um angeblich Zeit zu sparen. „Grundsätzlich begrüßen wir es, wenn sinnvolle Bauprojekte beschleunigt werden, denn wir brauchen spürbar mehr Wohnraum –…
Bauen | Bauprojekte | Bildung | Kinder | Lüftungsanlagen | Schule | Schulen
Schulerweiterungsbauten im Gebäudetyp E – hoffentlich nicht zu Lasten von Raumluftqualität und energetischen Standards
Immer wieder gibt es Diskussionen um den Einbau von Lüftungsanlagen in Schulgebäude. Zuletzt im Januar, als es im Bauausschuss um den Erweiterungsbau der Grundschule Soldnerstraße als Gebäudetyp E ging. GRÜNEN-Stadträtin Sabine Weber-Thumulla ist enttäuscht vom Verlauf der Diskussion: „Es wird so getan, als ob eine Lüftungsanlage reiner Luxus ist, auf den man leicht verzichten kann….