Eigentlich sollte man meinen, dass es inzwischen auch bei den Letzten angekommen ist, dass große Bäume angesichts des Klimawandels absolut schützenswert sind. Sie haben das Potenzial, CO2 aus der Luft aufzunehmen und so den Klimawandel zu verlangsamen, tragen aber auch viel dazu bei, dass die Stadt besser an den Klimawandel angepasst ist und die Menschen in heißen Sommern ein angenehmeres Klima durch Verschattung und Kühlungseffekte erleben können.
Trotzdem müssen die GRÜNEN-Stadträt*innen sich immer wieder vehement dagegen wehren, dass leichtfertig große Bäume gefällt werden.
„Im Umweltausschuss im Juli haben wir uns gleich mit zwei entsprechenden Anträgen eingebracht“, erzählt GRÜNEN-Stadträtin Sabine Weber-Thumulla. „Einmal ging es um verfrühte Baumfällungen bei Bauprojekten und einmal um die Baumrodungen am Golfplatz.“
Wenn im Zuge von Bauprojekten Baumfällungen genehmigt werden, werden oft zügig die Bäume auf dem Grundstück gerodet, dann geschieht zunächst nichts weiter und der Baubeginn lässt – teils jahrelang – auf sich warten. „In Einzelfällen mag das keine Rolle spielen. Doch in Summe fällt es schon ins Gewicht, ob Bäume im Stadtgebiet ein oder zwei Jahre länger die Umgebung mit frischem Sauerstoff versorgen, CO2 reduzieren, Feinstaub filtern und für Abkühlung und Schatten sorgen oder nicht. Bäume prägen das Stadtbild und reduzieren Lärm. Es ist also auch bei legalen Fällungen sinnvoll, sie so lange wie möglich hinauszuzögern“, ist Sabine Weber-Thumulla überzeugt.
Ersatzpflanzungen werden ohnehin meist erst Jahre später umgesetzt und erreichen erst nach Jahrzehnten die Größe und Wirkung der zuvor gefällten Bäume. Mit ihrem Antrag wollten die GRÜNEN-Stadträt*innen erreichen, dass die Verwaltung Möglichkeiten erläutert, wie man dafür sorgen kann, dass genehmigte Baumfällungen bei privaten Bauvorhaben so spät wie möglich erfolgen, um die Bestandsbäume so lange wie möglich zu erhalten.
Die Antwort fiel allerdings ernüchternd aus: Man sehe das insgesamt nicht als Problem und es gäbe auch keine Möglichkeit außer der gesetzlichen Vorgaben zur Schonung während Brutzeiten etc – auf den Zeitpunkt der Fällung Einfluss zu nehmen.
Auch der zweite Antrag brachte kein erfreuliches Ergebnis. Die GRÜNEN-Fraktion hatte beantragt, dass die Verwaltung die Hintergründe der bereits im April erfolgten Rodung von ca. 20 großen Bäumen auf dem Gelände des Golfplatzes erläutert und dabei auch darauf eingeht, in welcher Form Brutzeiten von Vögeln beachtet wurden.
Die Verwaltung hat ihr Bedauern ausgedrückt und dann darauf hingewiesen, dass der Golfplatz sich nicht innerhalb bebauter Bereiche befindet und somit nicht unter die Baumschutzverordnung fällt. Auch bei dieser groß angelegten Fällaktion sei alles mit rechten Dingen zugegangen.
Sabine Weber-Thumulla vermisst dabei den Blick für das große Ganze: „Es kann schon sein, dass für jeden einzelnen Baum ein guter Grund gefunden wird, warum er weichen muss. Aber wir müssen anfangen, Bäume nicht nur als einzelne Störobjekte zu betrachten, sondern im Hinterkopf immer mitdenken, wie lange es dauert, um einen einzigen großen Baum zu ersetzen. JEDER gefällte Baum ist bedauerlich und man muss um jeden einzelnen kämpfen.“ Von diesem Kampfgeist ist allerdings bei der Verwaltung wenig zu spüren.
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