In Freiburg gibt es ein Damenfreibad. Seit der Eröffnung 1886 haben bis heute nur Frauen Zutritt. Das ist sicher das extremste Beispiel, aber in vielen deutschen Städten gibt es Badezeiten in öffentlichen Bädern, die Frauen (und teilweise Kindern aller Geschlechter bis zu einem bestimmten Alter) vorbehalten sind. Oft ist auch die Aufsicht ausschließlich weiblich.
Auch in Fürth sollte es ein Angebot speziell für Frauen geben, findet GRÜNEN-Stadträtin Hanne Wiest: „Ein Frauenbadetag ist weit mehr als ein Sportangebot. Er ermöglicht Frauen den Schwimmbadbesuch, die sich in Badebekleidung in einem Ambiente ohne Männer wohler fühlen – sei es weil sie eine Brustamputation hinter sich haben oder weil sie einfach sicher sein wollen vor männlichen Blicken, Gesten oder Kommentaren. Denn manche Frauen fühlen sich in Schwimmbädern unwohl wegen körperlicher Unsicherheiten oder Erfahrungen mit Belästigung.“
Doch auch gesellschaftliche, kulturelle und integrative Aspekte spielen eine Rolle, ebenso wie religiöse. Und zwar nicht nur bei Musliminnen, sondern auch beispielsweise bei orthodoxen Jüdinnen oder streng gläubigen Christinnen.
Hanne Wiest schildert weitere Vorteile einer reinen Frauen-Badezeit: „In einem geschützten Raum können Frauen aus unterschiedlichen Kulturen in Kontakt kommen, sich austauschen und Gemeinsamkeiten entdecken – unabhängig von Herkunft, Religion oder sozialem Status. Das fördert das gegenseitige Verständnis und baut Vorurteile ab.“
Frauen mit Migrationshintergrund werden durch derartige Angebote zur aktiven Freizeitgestaltung ermutigt und können am öffentlichen Leben teilnehmen, ohne ihre Werte aufzugeben.
In den Nachbarstädten gibt es schon länger entsprechende Angebote: In der Erlanger Hannah-Stockbauer-Halle gilt sonntags für 2 Stunden: Zutritt nur für Frauen! Im Nürnberger Nordostbad gibt es die Frauenbadezeit nur einmal im Monat, dafür aber für 6,5 Stunden.
„Auch Fürth sollte ein Schwimmangebot in geschütztem Rahmen für Frauen in einem städtischen Schwimmbad organisieren, um allen Frauen ein unbeschwertes und diskriminierungsfreies Badeerlebnis zu ermöglichen. So kann die Stadt zeigen, dass sie weibliche Bedürfnisse ernst nimmt“, fordert Hanne Wiest.
Zusammen mit dem Integrationsbeirat hat die GRÜNEN-Fraktion daher einen entsprechenden Antrag zum Ausschuss für Schule, Bildung, Sport und Gesundheit gestellt.
„Auch wenn es den einen oder anderen deplatzierten Spruch gab und nicht alle Stadträt*innen Verständnis für den Antrag hatten, wurde im Ausschuss beschlossen, dass sie die Verwaltung Gedanken macht wie man ein solches Angebot auch in einem der Fürther Bäder umsetzen kann“, freut sich Hanne Wiest.
Letztendlich geht es nur um ein inklusives Zusatzangebot von wenigen Stunden. Deshalb ist eine Frauenbadezeit auch kein Zeichen von Ausgrenzung, sondern ein Instrument für mehr Teilhabe, Vielfalt und Toleranz. Es ist ein Beispiel dafür, wie öffentliche Räume inklusiver gestaltet werden können, statt kulturelle oder religiöse Gruppen auszugrenzen.
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