In Bayern besteht ab dem Schuljahr 2026/27 ein Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung für Grundschulkinder, zunächst für die 1. Klasse, dann stufenweise bis zur 4. Klasse. Dafür müssen an den Schulen neue Räume geschaffen werden. Auch die Grundschule Soldnerstraße auf der Hardhöhe hat lange nach einer räumlichen Lösung für den offenen Ganztag gesucht. GRÜNEN-Stadtrat Philipp Steffen erzählt: „ Ich wurde als Schulpfleger schon zu einem sehr frühen Zeitpunkt in die Überlegungen und Planungen einbezogen. Dafür möchte ich mich an dieser Stelle auch bedanken. Die Stadt plante auch von Anfang an in enger Abstimmung mit der Schule.“
Als neuer Standort wurde letztendlich der bisherige Parkplatz festgelegt. So wird das Grundstück nicht mehr nur zum Abstellen von Autos verwendet, sondern einer deutlich höherwertigen Nutzung zugeführt. „Das ist ein wirklich guter Weg, wie hier Raum für die offene Ganztagsbetreuung und weitere Klassenzimmer geschaffen wurde“, findet Philipp Steffen.
Doch das eigentlich Besondere ist nicht der Standort, sondern die Tatsache, dass das neue Gebäude als sogenannter „Gebäudetyp E“ realisiert werden soll.
„Der Begriff „Gebäudetyp E“ ist ein bisschen irreführend, weil es sich nicht um einen starren Gebäudetyp mit festgelegten Merkmalen handelt. Das „E“ steht für einfaches und experimentelles Bauen, unabhängig von Größe, Baustil oder den verwendeten Materialien – egal, ob es sich um eine Villa, ein Mehrfamilienhaus oder eben eine Schule handelt“, erklärt Philipp Steffen.
Neubauten, Um- und Ausbauten müssen hohe Standards erfüllen, um dem aktuellen Baurecht zu entsprechen. Das geplante Gebäudetyp-E-Gesetz soll Bauvorhaben erleichtern und günstiger machen, indem es in solchen Bereichen rechtssichere Abweichungen erlaubt, die lediglich dem Komfort dienen. Welche Vereinfachungen umgesetzt werden, vereinbaren Planer*innen und Auftraggeber*innen für das jeweilige Projekt.
Selbstverständlich dürfen Sicherheit und Gesundheit nicht gefährdet werden und öffentlich-rechtliche Vorgaben wie Statik, Brandschutz und sicherheitsrelevante Normen bleiben weiterhin verbindlich. Aber durch den Verzicht auf nicht notwendige Ausstattungsmerkmale oder den Bau in Modulbauweise können Kosten und Ressourcen gespart werden.
Beispielsweise könnten Stahlbetondecken, die nach DIN 4109-5 18 cm dick sein müssen, vier Zentimeter dünner gebaut werden, ohne dass die Statik irgendwie beeinträchtigt wäre. Es würde lediglich weniger Trittschallschutz bedeuten. Hier wäre die Ersparnis auch noch ein Beitrag zum Nachhaltigen Bauen.
„Bei der Soldner-Grundschule werden nicht alle Vereinfachungen umgesetzt, die der Gebäudetyp E ermöglichen würde. Der Schule war zum Beispiel wichtig, dass in jedem Klassenzimmer ein Waschbecken ist“, führt Philipp Steffen näher aus.
Das geplante Energiekonzept basiert auf Wärmepumpe und Solardach, die Klassenzimmer werden schon bei der Planung nach Westen hin ausgerichtet, um die künftigen Schüler*innen im Sommer vor zu großer Sonneneinstrahlung zu schützen.
Alles in allem ist der Bau auf dem Parkplatz also ein schlaues Konzept, das hilft, in Zeiten knapper Kassen die Kosten niedrig zu halten und dennoch der Grundschule Soldnerstraße die dringend benötigten Flächen bereit zu stellen.
„Für kommende Schulneubauten bleibt für uns allerdings eine moderne Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung die erstrebenswerte Lösung, auch wenn es hier nicht gemacht wird“, fügt Philipp Steffen hinzu.





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