Sommer, Sonne, man schlendert durch die schöne Innenstadt, wundervolle Töne einer talentierten Geigerin dringen ans Ohr und machen die Stimmung perfekt – gute Straßenmusik ist eine Bereicherung für jede Fußgängerzone. Eine derartige akustische Untermalung des Alltagsgeschehens hat Vorteile für Passant*innen, Beschäftigte und Bewohner*innen sowie die Attraktivität der Einkaufsstadt für Besucher*innen und Händler*innen. In gleichem Maße stört es aber auch, wenn selbsternannte „Musiker*innen“ die Lizenzen nutzen, um mit bedauerlichen Tönen an Geld zu kommen, wie GRÜNEN-Stadtrat Felix Geismann darlegt: “Anwohner*innen sind genervt, Kanzleien, Praxen und andere Unternehmen können teilweise die Fenster nicht mehr öffnen, wenn sie nicht Gefahr laufen wollen, dass ihre Mandant*innen, Patient*innen und Kund*innen von hereindringenden „Musik“fetzen belästigt werden. In Fürth haben wir da wirklich ein paar Spezialisten, die einem gehörig auf die Nerven gehen können.“
Ob einfach nur Tonleitern rauf und runter gespielt werden oder stunden-, tage- und jahrelang immer ein und dasselbe Lied – in einigen Fällen kann man durchaus von akustischer Belästigung sprechen. Die GRÜNEN- Stadträt*innen haben daher per Antrag im Kulturausschuss nachgefragt, mit welchen Mitteln die Stadt für ein bisschen mehr Qualität sorgen könnte.
„Dass wir mit unserem Antrag einen Nerv getroffen haben sieht man auch am ausführlichen Presse-Echo“, meint Felix Geismann. „Es gab richtig viel Zuspruch für unseren Vorstoß, nicht nur im Kulturausschuss. Und wenn man dann in den sozialen Medien einzelne Stimmen liest, dass die Qualität im öffentlichen Raum doch nicht mit der Straßenmusik beginnt, dann muss man einfach sagen: Freilich gibt es noch wichtigere Faktoren, die zur Aufenthaltsqualität beitragen. Aber die Geräuschkulisse ist definitiv ein wichtiger Teil davon, und die sollte doch bestenfalls ein Genuss sein.“
Auch andere Reaktionen geben den GRÜNEN recht, dass sich an der dargebotenen Qualität etwas ändern muss. So waren Berichte von Arztpraxen zu lesen, die die Fenster geschlossen halten, weil es den Beschäftigten sonst „zu sehr auf den Wecker geht“.
Eine wirkliche Lösung zeichnete sich im Ausschuss allerdings nicht ab. Es gibt zwar bereits entsprechende Regelungen, die z.B. einen Ortswechsel alle 30 Minuten festlegen. Spielen darf nur, wer über eine Sondernutzungserlaubnis des städtischen Tiefbauamts verfügt, die für sechs Tage pro Monat gilt (was ganz offensichtlich von einigen nicht eingehalten wird), die Anzahl der gleichzeitig Musizierenden ist auch festgelegt. Aber eine qualitative Überprüfung, etwa über ein Vorspielen wie in Wien, München oder Regensburg, können nach eigenen Angaben weder das Tiefbauamt noch das Kulturamt leisten.
Immerhin sollen die bestehenden Regelungen künftig stärker kontrolliert werden. „Damit kann man vielleicht wenigstens den zeitlichen Rahmen des Übels begrenzen und Raum schaffen für mehr Abwechslung“, hofft Felix Geismann. „Denn über Eines darf der immerselbe Lärm nicht hinwegtäuschen: Auch bei uns gibt es ein paar richtig tolle Straßenmusiker*innen!“
In der öffentlichen Diskussion und in den Sozialen Medien wurde auch noch ein weiterer Aspekt des Themas deutlich: ein sozialer. Denn bei manchen Darbietungen sehen viele die Grenze zur Bettelei überschritten. Teilweise sieht man auch Kinder im schulpflichtigen Alter mitten unter der Woche in den Straßen stehen. Der Vorschlag von verstärkten Kontrollen wurde daher von vielen begrüßt, da man so auch darauf schauen könnte, dass diese Kinder stattdessen den Unterricht besuchen.
Und hier den Beitrag des Bayerischen Rundfunks in der Abendschau: https://www.ardmediathek.de/video/abendschau/fuerth-wie-schlecht-darf-strassenmusik-sein/br/Y3JpZDovL2JyLmRlL2Jyb2FkY2FzdC9GMjAyNVdPMDE3NTYyQTAvc2VjdGlvbi9iOTNhYzRmMi1kYTdkLTQxN2YtYjM2MC1mMzBiZWU0NWMwMzM
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