Die Stadt Tübingen hat es getan: Seit Anfang 2022 wird dort eine Abgabe auf Einwegverpackungen fällig: 50 Cent pro Becher oder Box, 20 Cent pro Besteck. Die Abgabenpflicht betrifft Gaststätten, Restaurants, Cafés und Imbissläden, aber auch Bäckereien, Metzgereien, Lebensmittelgeschäfte und Tankstellen, die Getränke und Speisen in Einweg-Verpackungen im Angebot haben.
„Eine Super-Idee!“, findet GRÜNEN-Stadträtin Gabriele Zapf. „Viel besser kann man das Verursacher-Prinzip gar nicht anwenden. Da würde man sicher schon in kurzer Zeit Effekte spüren.“ Inzwischen sind auch die letzten Rechtsunsicherheiten hinsichtlich dieser örtlichen Verbrauchssteuer beseitigt. Denn eine Verfassungsbeschwerde gegen die Tübinger Verpackungssteuer hat das Bundesverfassungsgericht am 22.1.2025 zurückgewiesen. Die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts wurde explizit vom Bayerischen Städtetag begrüßt.
Grund genug für die GRÜNEN-Fraktion, die Einführung dieser Abgabe auch in Fürth zu beantragen. Vorteile gibt es genug: Die Verpackungssteuer generiert Mehreinnahmen für den städtischen Haushalt. Die Müllverursacher*innen werden stärker an den Entsorgungskosten beteiligt. „Diese kommunale Abgabe wird dazu beitragen, dass weniger Verpackungsmüll Straßen, Grünflächen und Parks verschandelt“, ist sich Gabriele Zapf sicher.
Wie aktuelle Zahlen aus Tübingen belegen, funktioniert das nicht nur in der Theorie, sondern auch tatsächlich in der Praxis. Es liegt deutlich weniger Verpackungsmüll im öffentlichen Raum und trotzdem hat die Abgabe der Stadt Tübingen alleine im ersten Jahr eine Million Euro an zusätzlichen Einnahmen beschert. Als Gegenargument werden oft die angeblich unverhältnismäßig hohen Verwaltungskosten genannt. In Tübingen übersteigen die Einnahmen die Verwaltungskosten um das Neunfache. Die Abgabe leistet also einen Beitrag zur echten Müllvermeidung, was auch den Aufwand beim Grünflächenamt reduzieren und somit Kosten einsparen würde. Darüber hinaus werden personelle Ressourcen für andere Aufgaben frei. Und es gibt einen weiteren positiven Nebeneffekt: Durch die Einsparung von Verpackungsmaterialien werden auch PFAS-Chemikalien eingespart, die sehr oft in Verpackungsmaterialien enthalten sind.
„Mit unserem Antrag wollten wir erreichen, dass auch Fürth die nun gegebene Rechtssicherheit nutzen kann und baldmöglichst eine lokale Abgabe erhebt. Denn bis zur potenziellen Einführung einer bundesweit flächendeckenden Verpackungsteuer dürfte wohl noch einige Zeit ins Land ziehen“, erläutert Gabriele Zapf.
Doch da haben die Fürther GRÜNEN die Rechnung ohne die Kämmerei und vor allem ohne die Bayerische Landesregierung gemacht. Die Kämmerei lehnte ab. Man wolle in diesem Bereich nicht tätig werden, bevor es nicht eine allgemeine Regelung dazu gebe. Man einigte sich darauf, dass die Kämmerei das Thema bei der nächsten Nachbarschaftskonferenz der Städteachse ansprechen und dann wieder im Ausschuss darüber berichten solle.
Doch wie es aussieht, wird die Verpackungsabgabe auch an höherer Stelle torpediert.
Auch wenn die Erhebung der Abgabe durch ein Bundesgesetz gedeckt ist: Nach dem Kommunalabgabengesetz muss sich eine Kommune eine Satzung durch die Rechtsaufsichtsbehörde genehmigen lassen, wenn die Satzung eine in Bayern bisher nicht erhobene kommunale Verbrauch- und Aufwandsteuer enthält. Städte, die diese Genehmigung angefragt haben, warten immer noch auf Antwort. Die Bayerische Landesregierung wünsche keine Umsetzung, solange dies nicht unbedingt nötig sei, hieß es hinter vorgehaltener Hand. „Ein Unding“, findet GRÜNEN-Stadträtin Gabriele Zapf. „Die Bundesgesetzgebung durch Verzögerung auf Landesebene auszuhebeln, das ist ein echtes Foul. Aber die Idee ist einfach gut. Wir werden sie zu gegebener Zeit wieder einbringen und mit den Nachbarstädten und -Landkreisen besprechen, wie wir sie umsetzen können.“





Neuste Artikel
Kandidaten Kandidatur Wahl Wahlen Wahlkampf Wahlprogramm
Unsere Stadtratsliste und unser Wahlprogramm
Hier findet Ihr alle unsere Kandidatinnen und Kandidaten und das Kurzwahlprogramm für die Kommunalwahl am 8. März.
Einkaufen Innenstadt Konrad-Adenauer-Anlage Soziales Stadtbild Wirtschaft Wochenmarkt
Erfolgreicher GRÜNEN-Antrag: Das WC in der Adenaueranlage wird saniert
„Damit Sie neben Ihren Einkäufen auch andere dringende Bedürfnisse erledigen können, befinden sich öffentliche Toiletten in der Dr.-Konrad-Adenauer-Anlage und der Neuen Mitte.“ So steht es auf der Webseite des Fürther Markts. Doch es stimmt seit geraumer Zeit nur noch so halb. Die WC-Anlage neben dem Milchhäusla ist nämlich geschlossen, weil sie dringend saniert werden müsste….
Finanzen Klima Klimaanpassung Klimakrise Klimaschutz Klimawandel
Gelder bereitstellen hilft nicht – man muss sie auch nutzen!
„In den Medien dominieren zwar wirtschaftliche Krisen und Kriege, doch die Auswirkungen des immer wärmer werdenden Klimas sind inzwischen auch in Fürth ganz massiv zu spüren. Es nützt nichts, das Problem zu leugnen – uns läuft die Zeit davon!“ Davon ist Sabine Weber-Thumulla, GRÜNEN-Stadträtin in Fürth, überzeugt. Bislang gibt es im Haushalt (auch auf eine…
Ähnliche Artikel
Einkaufen | Innenstadt | Konrad-Adenauer-Anlage | Soziales | Stadtbild | Wirtschaft | Wochenmarkt
Erfolgreicher GRÜNEN-Antrag: Das WC in der Adenaueranlage wird saniert
„Damit Sie neben Ihren Einkäufen auch andere dringende Bedürfnisse erledigen können, befinden sich öffentliche Toiletten in der Dr.-Konrad-Adenauer-Anlage und der Neuen Mitte.“ So steht es auf der Webseite des Fürther Markts. Doch es stimmt seit geraumer Zeit nur noch so halb. Die WC-Anlage neben dem Milchhäusla ist nämlich geschlossen, weil sie dringend saniert werden müsste….
E-Mobilität | Elektroauto | Elektromobilität | Finanzen | Infra | Infrastruktur | Innenstadt | Klimaschutz | Mobilität | Strom | Verkehr
Sehr gut ausgelastet: die öffentlichen Ladesäulen für E-Autos
Weil ihm aufgefallen ist, dass die öffentlichen Ladesäulen in Fürth offenbar immer besser angenommen werden, hat GRÜNEN-Stadtrat Felix Geismann einen Antrag zur Sitzung des infra-Aufsichtsrats initiiert: „Wenn man sich darüber Gedanken machen will, ob es sinnvoll ist, in Fürth weitere Ladesäulen zu installieren – und wenn ja: Wo und wie viele?- , dann helfen gefühlte…
Lufthygiene | Müll | Müllvermeidung | Natur | Sicherheit | Tiere | Tierschutz | Umwelt
Tierfreundlicheres Feuerwerk
Beim Feuerwerk scheiden sich die Geister. Während die Einen den Anblick genießen und an Silvester viel Geld für Raketen und andere Pyrotechnik ausgeben, finden die Anderen, es handelt sich um reine Geldverschwendung. Doch außer „Es ist etwas Besonderes und ein schöner Anblick.“ gibt es keine Argumente für Feuerwerk. Gegenargumente finden sich jedoch viele: Lärmbelästigung, Feinstaubbelastung,…